Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.02.12; Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer

Gott des Himmels und der Erden (eg 445)

Choral: Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heil´ger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt;

dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist, erhält: 

Sprecher: (Strophe 1/overvoice): Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heil´ger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt; dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist, erhält:

Autorin: So beginnt der Choral, den der Königsberger Domorganist Heinrich Albert 1642 dichtete und komponierte. Sechsmal steigt die Melodie nach oben und neigt sich wieder nach unten, wie Sonne und Mond, die auf- und untergehen, wie Tag und Nacht, die kommen und gehen, weil Gott ihnen diese Ordnung gegeben hat. Gedanklich ließ sich der Dichter von Martin Luthers Morgensegen inspirieren. Bis in einzelne Formulierungen hinein ist die Ähnlichkeit zu erkennen:

Sprecher: (overvoice) Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

Choral/Strophe 2: Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, dass des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist.

Sprecher: (Strophe 2/ (overvoice) Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, dass des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist.

Autorin: Für eine ruhige Nacht mit tiefem Schlaf und guten Träumen bin ich dankbar. Wer wie Luther oft schlaflos liegt, weiß warum. Die Stunden vor dem Morgengrauen sind oft gefährlich: Sorgen werden übermächtig, drehen sich im Kreis, einer Spirale gleich, die mich immer tiefer hinab in den Strudel der Angst zieht. Dieser Angst zu entkommen ist nicht leicht. „Schwarz sehen“, dieser Ausdruck kommt nicht von ungefähr, Nachtgedanken – für Luther waren auch sie Instrumente des bösen Feindes, der alles tut, um Menschen von Gott zu trennen. Von der wörtlich verstandenen Nacht zur Nacht im übertragenen Sinne ist es daher nur ein kleiner Schritt:

Choral/Strophe 3: Lass die Nacht auch meiner Sünden jetzt mit dieser Nacht vergehn; o Herr Jesu, lass mich finden deine Wunden offen stehn, da alleine Hilf' und Rat ist für meine Missetat

Autorin: Sünden führen in die Nacht unseres Lebens, dichtet Heinrich Albert. Für Christinnen und Christen heißt Sünde: Ich entferne mich von Gott. Ich glaube, mein Leben ohne Gott in den Griff bekommen zu können. Doch weit weg von Gott bin ich umgeben von Nacht. So wie die, die Jesus töteten: Römische Soldaten, die ihn folterten; Pontius Pilatus, der das Todesurteil aussprach. Und Jesu beste Freunde, die ihn verleugneten und alleine sterben ließen. Der Evangelist Lukas erzählt: Als Jesus starb, bedeckte Finsternis die ganze Erde. Dunkel wird es bei denen, die Gott aus der Welt vertreiben. Heinrich Albert glaubt: Der, den alle verlassen hatten – aus Machthunger oder Angst –, er ist der einzige, der uns aus der Nacht in den Tag führen kann. Deshalb bittet er

Choral/Strophe 4: Hilf, dass ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, dass, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht.

Autorin: Jeder Morgen kann zum Ostermorgen werden. Gott hat das letzte Wort über Jesu und unser Leben. Weil Gott Jesus durch den Tod ins Leben geführt hat, kann Jesus mir helfen, für meine Seele zu sorgen. Seine Worte und Taten zeigen mir, wie ich leben kann.

Choral/Strophe 5: Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.

Autorin: Der Hand, die Himmel und Erde erschaffen hat, die den Sohn losgelassen und wieder zu sich geholt hat, kann ich mein Leben anvertrauen. So wie Jesus, als er kurz vor seinem Tod zu Gott betete:

Sprecher: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.

Choral/Strophe 6: Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum.

Sprecher: (/Strophe 6/overvoice) Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum.

Autorin: Gottes starke Hand hält Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer, und mich heute, morgen und übermorgen, und - so will ich glauben- auch am letzten Tag unseres Lebens. Doch wenn wir Angst haben vor dem Tod, vor schwerer Krankheit oder vor Schmerzen, wenn wir einsam sind nach einem schweren Streit, dann ist uns oft der Zweifel näher als der Glaube daran, dass Gott bei uns ist. Dann brauchen wir einen Engel, einen Boten Gottes, der uns auf Gottes Güte hinweist. Einem traurigen Kind erklärte Luther das so: 

Sprecher: „Liebes Kind, du hast einen eigenen Engel; wenn du des Morgens und des Abends betest, wird derselbe Engel bei dir sein, wird bei deinem Bettlein sitzen, dich wiegen und behüten, dass der böse Mann, der Teufel nicht zu dir kommen könne… wenn schon deine Eltern nicht bei uns sind, sind doch die Engel da, die sehen auf uns.“
 (Luther WA 34 II,247, 28ff, zitiert nach Uwe Wolff, Die Wiederkehr der Engel, Impulse Nr. 32, Stuttgart II/1991, S. 20; HG: Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen; www.ekd.de

Autorin: Mir begegnen Engel in Menschen: die Mut machen am Krankenbett oder in der Schlange im Arbeitsamt; die eine Hand drücken, weil sie Traurigkeit spüren; die ihren Nächsten helfen, vertrauensvoll den Tag anzunehmen. Ich ahne die Gegenwart der Engel, wenn ich Gottesdienst feiere. Auch wenn ich mich über einen wunderbaren Moment freue: wenn ein Vogel singt, meine Kinder lachen, ich mich geborgen fühle.  Ja, Engeln möchte ich begegnen und sie erkennen – am Anfang des Tages und in der Mitte der Nacht. Darum bitte ich und singe mit:

Choral/Strophe 7: Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu.

Sprecher: (Strophe 7/overvoice) Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu.

Musikinformation:
CD-Name:   Gottes Tag sei gelobt
Komponist: Heinrich Albert
Chor:   Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes
Leitung:   Horst Krüger
Verlag:   Verlag Singende Gemeinde

Angaben zu zitierten Texten:
Bibeltexte: Luther 1984

Luthers Morgensegen: eg 863

Luther-Zitat: Luther WA 34 II,247, 28ff, zitiert nach Uwe Wolff, Die Wiederkehr der Engel, Impulse Nr. 32, Stuttgart II/1991, S. 20; HG: Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen; www.ekd.de

 


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